Magenbypass

 
 
 

Der Magenbypass ist die weltweit meist angewandte Operationsmethode in der Adipositaschirurgie. So wurden 2003 weltweit  rund 145`000 und 2008 rund 170`000 solcher Interventionen praktiziert. Seit diese Operation 1994 durch Wittgrove erstmalig in minimal-invasiver Technik (laparoskopisch) durchgeführt wurde, erfährt sie eine rasante Entwicklung.

Es handelt sich um einen kombinierten Eingriff welcher neben der restriktiven Komponente eine malabsorptive Komponente hat. Die starke Restriktion beruht auf der Grösse des vom Restmagen abgetrennten Pouches und legt die Grundlage für die erfolgreiche Gewichtsreduktion. Das Volumen des Pouches wurde dabei in den letzten Jahren schrittweise verkleinert, was zu besseren Ergebnissen führte. Neben der Restriktion spielt die Malabsorption eine wesentliche, jedoch untergeordnete Rolle.

Operation

Beim Magenbypass wird der Magen der vor der Operation ein durchschnittliches Gesamtvolumen von rund 1300ml hat, wenig unterhalb des Übergangs von der Speiseröhre zunächst in horizontaler und folgend in vertikaler Richtung durchtrennt. Dadurch wird ein ca. 20ml grosser Magenpouch geformt, welcher zukünftig an der Nahrungspassage teilnimmt. Die  Magensäureproduktion im verbleibenden Restmagen erfolgt in reduzierter Form weiter. Die Grösse des Magenpouches stellt den entscheidenden Faktor für die langfristige Wirksamkeit der Operation dar. Ist der Pouch zu gross kann es zu einer unbefriedigenden Gewichtsreduktion kommen. Die Anastomose (Verbindung zwischen Pouch und Dünndarmschlinge) hat einen Durchmesser von rund 25mm, kann sich aber nach Jahren erweitern. Da im Magenpouch nur vernachlässigend kleine Mengen von Magensäure gebildet werden steht diese im sich anschliessenden Dünndarm, dem so genannten alimentären Schenkel, nicht zur Spaltung der Eiweisse zur Verfügung.

Über die Länge des alimentären Schenkels lässt sich die zweite Komponente der Intervention, die Malabsorption beeinflussen. Dementsprechend wird über den für Nahrung und Verdauungssäfte gemeinsame Verdauungsschenkel (syn. common channel) die Aufnahme der Nahrungsbestandteile gesteuert. Drei Typen des Magenbypass können unterschieden werden. Der proximale Magenbypass definiert sich über einen alimentären Schenkel von bis zu 150cm Länge. Daraus resultiert ein „common channel“ von mehr als 250cm. Der distale Magenbypass hat einen alimentären Schenkel von mehr als 250cm, so dass ein „common channel“ von 50-100cm resultiert. Von einem Long limb-Bypass spricht man bei einer alimentären Schenkellänge von mehr als 200cm und einem „common channel“ von rund 150cm.

Weltweit gilt der proximale Magenbypass als die Standardoperation. Er stellt ein sicheres mit gutem Gewichtsverlust verbundenes Verfahren dar. Aufgrund von teils schweren Nebenwirkungen, insbesondere Mangelerscheinungen nach der Operation, setzen wir den distalen Magenbypass nicht als Standardverfahren ein.

Komplikationen

Grundsätzlich gilt es Früh- von Spätkomplikationen zu unterscheiden. Während oder in den ersten Tagen nach der Operation können Blutungen auftreten, jedoch sind notwendig werdende operative Revisionen sehr selten. Blutungsquellen können zum einen die Nahtreihen am Magen oder Darm sein, oder zum anderen die Schleimhaut im Bereich der Anastomosen. Bei zweitgenannten kann die Durchführung einer Gastroskopie (syn. Magenspiegelung) notwendig werden.

Eine Leckage (syn. Insuffizienz/ Undichtigkeit) im Bereich der Anastomose am Magen oder Dünndarm stellt eine schwerwiegende und gefährliche Komplikation dar. Sie tritt in erfahrenen Zentren in weniger als 3% der Fälle auf und erfordert in der Regel eine sofortige Reoperation. Wird sie rechtzeitig behandelt kann die Gefahr, ohne Folgen für die Zukunft sicher behoben werden. Noch während der Magenbypassoperation testen wir die Dichtigkeit der neu geschaffenen Verbindung zwischen Magen und Dünndarm. Dieser und ein weiterer Röntgen-Test am ersten Tag nach der Operation erhöhen die Sicherheit für den Patienten. Sind beide Tests unauffällig können die Operierten beginnen zu trinken.

Wundinfektionen sind mit 3-10% relativ häufig jedoch nahezu ohne Ausnahme konservativ zu behandeln. In Zeiten der offenen Operationen waren sie mit 25% weitaus zahlreicher und schwerwiegender als heute nach laparoskopischen Interventionen.

Stenosen (syn. Verengungen) im Bereich der Anastomosen treten bei rund 10% der Patienten nach laparoskopischem Magenbypassoperationen auf. Diese lassen sich gut endoskopisch, per Magenspiegelung, dilatieren (syn. aufdehnen).

Bei rund 2-3% der Patienten findet sich ein so genanntes Anastomosenulkus. Es handelt sich dabei um ein Geschwür im Bereich der Verbindung zwischen Magen und Dünndarmschlinge. Gehäuft treten diese bei Helicobacter-Infektionen sowie bei Rauchern auf. Die Behandlung der Anastomosenulzera erfolgt konservativ, medikamentös.

Eine relativ seltene, aber ein schnelles Handeln notwendig machende Spätkomplikation ist die innere Hernienbildung (syn. Bruchbildung). Sie kann bei rund 2-3% der Operierten auch Jahre nach der Operation auftreten und beginnend unspezifische Beschwerden wie leichte Krämpfe, Übelkeit und Erbrechen verursachen. Entscheidend ist in diesen Fällen die rasche Begutachtung durch einen in der Adipositaschirurgie erfahrenen Chirurgen. Bestätigt sich der Verdacht auf einen inneren Bruch muss notfallmässig operiert werden um ein Absterben des Darmes durch eine Unterversorgung mit Sauerstoff zu verhindern.

Traten nach offenen Magenbypassoperationen Narbenbrüche bei bis zu  20% der Operierten auf, sind  Trokarhernien mit rund 2% deutlich seltener. Sowohl Narben- wie auch Trokarhernien erfordern eine Operation, möglicherweise mit einer Netzimplantation zur Verstärkung der Bauchwand.